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Trinidad und Tobago: Welche Richtung für die Kulturwirschaft?

Am 6. September fasste das Kabinett von Trinidad und Tobago den Beschluss, die Kulturwirtschaftsgesellschaft von Trinidad und Tobago (TTCIC) zu gründen. Das Ziel dieses “Megaunternehmens” ist aus Sicht der Regierung, die bereits existierenden Kulturorganisationen wie zum Beispiel die Filmgesellschaft Trinidad und Tobago (TTFC) [en] miteinander zu verschmelzen. Seine Mission? Die folgenden Industrien auf kommunaler Ebene zu bilden: Film, Mode, Theater, Tanz, bildende Kunst und andere Abteilungen der Unterhaltungsindustrie einschließlich des Vorzeigefestivals des Landes Carnival [en].

Am 20. November legte der Handels-, Industrie- und Investitionsminister Senator Vasant Bharath seine Pläne für die “Rationalisierung der Institutionen in Trinidad und Tobago” bei der Frühstückskonferenz vor, die von der Industrie- und Handelskammer von Trinidad und Tobago [en] ausgerichtet wurde. Während dieser Präsentation (ein Audio-Link befindet sich weiter unten) enthüllte Bharath seine Pläne für die TTCIC:

Verschiedene Mitglieder der Künstlergemeinschaft zeigten sich fassungslos, denn sie waren der Meinung, dass man sich vor dem Beschluss nicht genug abgesprochen hatte [en]. Viele Künstler waren über den relativen Informationsmangel der Öffentlichkeit besorgt, auch wenn der Beschluss zur Gründung der TTCIC schon vor drei Monaten gemacht wurde. Am 25. November trafen sich in Woodbrook einige Interessenvertreter der Künstlergemeinschaft mit Minister Bharath am Little Carib Theatre [Kleines Karibisches Theater], um ihre Sorgen mitzuteilen.

Filmemacherin Mariel Brown [en] zeigte sich skeptisch über die Richtung, die der Minister für die Filmindustrie einschlagen wollte.

Auf der einen Seite, Herr Minister, stimme Ihnen ich zu, dass adäquates Berichterstatten richtig platziert werden muss – aber die Idee, dass ein Land jemals versuchen sollte, kulturelle Aktivitäten zu privatisieren ist lächerlich. Alle großen Industrieländer haben Kunstprogramme, die die Regierung finanziell unterstützt. Denn sie haben erkannt, dass es diesen Programmen nicht um Ausgaben geht, sondern um das Erschaffen einer Umgebung, in der Entwicklung durch kreativen Ausdruck erwünscht [ist]. Und irgendetwas anderes zu behaupten, bedeutet, dass Sie versuchen, viele Menschen zu täuschen, die offensichtlich mehr darüber wissen als Sie.

Brown protestierte zusammen mit anderen Interessenvertretern auf Facebook:

Mein Cover und mein Profilfoto sind schwarz aus Protest gegen die vorgeschlagene TTCIC. Als Filmemacherin und Interessenvertreterin verlange ich eine vollständige und aufrichtige öffentliche Rücksprache über die TTCIC und weiterhin soll es der Filmgesellschaft Trinidad und Tobago möglich sein, ihre Arbeit mit einer angemessenen Haushaltszuweisung von der Regierung fortzusetzen.

Nigel A. Campbell war skeptisch darüber, Muster aus größeren Ländern zu importieren:

In einem kleinen Entwicklungsland treffen die üblichen Gesetze nicht immer zu. Ich erinnere mich daran, dass es zu meiner Studienzeit einen Dozenten für Statistik gab, der uns eine Augen öffnende Enthüllung über die Muster und Regeln, die wir benutzen, präsentierte, die für größere Bevölkerungen funktionierten, aber für kleinere modifiziert werden müssten. Diese Differenzierung funktioniert egal, ob man über die Anzahl von Bakterien oder den relativen Erfolg von Kulturunternehmen in Trinidad und Tobago gegenüber Großbritannien spricht.

Campbell schlug vor, dass dem, was bisher schon funktioniert hat größere Beachtung geschenkt werden sollte anstatt alles in die Luft zu jagen und ganz neu anzufangen:

Altbewährt gewinnt bei mir immer und die Idee, dass der Erfolg durch Werben Kinogänger dazu bringt, in ein Cineplex mit Blockbuster-Filmen mit individuellen Budgets von annähernd 200 Millionen US-Dollar zu gehen, die gleiche Gewinnformel besitzt, die man braucht, um eine ganze Filmindustrie mit weniger als 100 Millionen TT-Dollar zu entwickeln, ist ein Mysterium, das es wert ist, enthüllt zu werden. Der Geschäftsbereich von Minister Bharath deckt Investitionen sowie Handel und Industrie. Ihm muss bewusst sein, dass es im Kunst- und Kulturbereich regelmäßige Investitionen von Unternehmen der Privatwirtschaft gab. Die Eile, die wachsende Kulturwirtschaft von kleinen “undisziplinierten” Unternehmen in eine “Industrie” umzuwandeln ist offensichtlich und unglücklich. Die Differenzierung der Industrie zwischen eher marktorientierten Segmenten und den mehr kulturverbundenen Segmenten war in Bharaths Intervention nicht vorhanden und sein Fokus leugnet die wahre Auswirkung auf die Ökonomie und die Arbeitskräfte, die die Industrie auf die einheimische Wirtschaft hat. Einige Segmente der Industrie – pan, Carnival – sind gewachsen und wurden, ungeachtet der Intervention der Regierung, exportiert, obwohl sie unstrukturiert und doch dynamisch und fließend sind.

Nachdem er einige Empfehlungen von einem Bericht über die Erschaffung von Musikindustrien in Entwicklungsländern [en] teilte, stützte sich Campbell auf den Auftritt der  vorangegangenen Landesbehörden und fasste zusammen, indem er sich fragte, ob die TTCIC ihre Ziele einhalten könnte:

… Der Eingriff der Regierung, auch in Trinidad und Tobago, sollte nicht daraus bestehen, mit Unternehmern zu konkurrieren, um ein paar “erfolgreiche Menschen” mit Vorstandspositionen zu belohnen. Erfolgreichere Unternehmer als die genannten waren in Staatsgremien und dachten wenig darüber nach, etwas an der Wirtschaft zu verändern. Der Herstellungsbereich, ausgenommen der Eingriffe von IDC, EDC und TIDCO, ist nicht global wettbewerbsfähig geworden, sondern eher regional orientiert, wenn auch nur relativ erfolgreich. Nach all diesen Jahren, sollte man meinen, dass wir im Stande wären, mit Indien und China oder Vietnam zu konkurrieren! Die Industrie ist der Bereich der Wirtschaft, der mit der Produktion von Gütern beauftragt ist. Die Kulturwirtschaft handelt von Gütern, Dienstleistungen und geistigem Eigentum.

Timothy C. Teemal machte eine Reihe von Vorschlägen für das Regelwerk der Regierung bezüglich der Filmindustrie von Trinidad und Tobago, unabhängig davon, ob über die TTFC oder TTCIC:

1) Sofortige Freigabe von allen Hilfskräften einschließlich der Berater.

2) Sofortiges Einstellen von Reisen für das Personal.

3) Sofortiges Einstellen von Förderungen für jegliche angebotene Programme und Initiativen.

4) Einführung eines WETTBEWERBS, um über das “beste” Drehbuch zu entscheiden, basierend auf die “Machbarkeit” innerhalb eines vorgeschriebenen Budgets und seines kommerziellen Verdienstes – das heißt, seine Fähigkeit, Geld einzubringen.

5) Nachdem das Drehbuch ausgesucht wurde, versammelt man alle Interessenvertreter (Regisseure, Produzenten, Kameraleute usw.) und fordert sie heraus, einen abendfüllenden Spielfilm im Rahmen des vorgeschriebenen Budgets zu machen, was zu hundert Prozent von der “abgespeckten” TTFC/CIC finanziert wird, entweder durch den eigenen Zuschuss des Ministeriums oder in Partnerschaft mit der Geschäftswelt. Die TTFC/CIC wird die Verantwortung übernehmen, sich mit den anderen Investoren zu treffen und sie von der kommerziellen Realisierbarkeit des Films und die positiven Auswirkungen für eine Investition zu überzeugen.

6) Die TTFC/CIC wird die Verantwortung übernehmen, ein offizielles Projekt-Zertifikat vom Kunst- und Multikulturalismusministerium einzuholen, dass dem besagten Projekt erlaubt, eine 150%ige Rückgebühr anzubieten, die die Geschäfte dazu anfeuern soll, in den Film zu investieren.

7) Die TTFC/CIC wird versichern, dass die 35%ige Geldrückgabegarantie für Produktionskosten des Films maximiert wird.

8) Die TTFC/CIC wird sich um den Vertrieb für das besagte Projekt kümmern. Dies enthält regionale Kinos und Cineplex sowie die internationale Ebene.

Aber das vielleicht verlockendste Argument, die Filmgesellschaft Trinidad und Tobago so zu lassen, wie sie ist, kam von Filmemacher Dion Boucaud [en]:

Die Partnerschaftsregierung des VOLKES hat OHNE JEGLICHE RÜCKSPRACHE entschieden, die Filmgesellschaft Trinidad und Tobago (TTFC) [en] aufzulösen und sie in die Kulturwirtschaftsgesellschaft von Trinidad und Tobago (TTCIC) umzubenennen. Unter dieser neuen Gesellschaft beabsichtigen sie, Film, Mode, Theater und Unterhaltung zusammenzubringen. Zu diesem Zweck wurde die Unterhaltungsgesellschaft Trinidad und Tobago (TTENT) bereits abgefertigt.

Für die meisten sieht das nicht bedrohlich aus, es ist nur irgendein Plan der Regierung. Aber sie werden das Fass nicht sehen, bis sie selbst darin stecken, zusammen mit den anderen Krabben.

Eine schwankende Begründung ist, dass der Filmsektor sich so gut entwickelt, dass sie dieses Schema auch auf die anderen Sektoren anwenden wollen.

Der momentane Erfolg des Filmsektors ist direkt dem bemerkenswerten Fokus der TTFC zuzuschreiben, sich KONTINUIERLICH mit Interessenvertretern der Industrie zu BERATEN. Es ist Wahnsinn und Trugschluss zu glauben, dass der gleiche Erfolg durch Zerstören einer erfolgreichen Organisation und Zersplittern des Fokusses auf so grundverschiedene Sektoren erreicht werden kann. Was am ehesten passieren wird, ist, dass die Sache fallen gelassen und jeglicher Fortschritt vonseiten der Filmindustrie verloren gehen wird. Denn das neue Unternehmen kämpft mit den vielen konkurrierenden Bedürfnissen der verschiedenen Sektoren und Entschlusskraft und Dringlichkeit werden zu Begünstigungen und Prioritäten führen.

Viel schlimmer ist die Schnelligkeit, mit der sie die hart erkämpften Errungenschaften der Interessenvertreter OHNE RÜCKSPRACHE systematisch zerlegen, ebenso wie der völlige Mangel an Verständnis, das den Glauben hervorruft, man könne alle kreativen Branchen in einen Topf werfen. Damit meine ich “offensichtlich” Film, Mode, Theater und Unterhaltung! Wie unterschiedlich sind sie?

Diese “VON-OBEN-NACH-UNTEN” hinterlistige Annäherung an die Filminteressenvertreter entspricht nicht der Idee von Kooperation und Einbeziehung. Es zeigt eine grobe Respektlosigkeit und Ignoranz wie die Industrie funktioniert und was benötigt wird, um zu wachsen und sich zu entwickeln.

Das in diesem Artikel verwendete Thumbnail-Bild  “1600′ (488m) 16mm Filmrollen”, ist von Carbon Arc, benutzt unter einer Attribution-NonCommercial-ShareAlike 2.0 Generic Creative Commons Lizenz. Besuchen Sie Carbon Arcs flickr-Fotostream.

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