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Die vielen Gesichter der alltäglichen Gewalt gegen Frauen

[Alle Links führen, sofern nicht anders gekennzeichnet, zu französischsprachigen Seiten.]

In armen Ländern und in reichen Ländern, im Frieden und im Krieg sind Frauen der Gewalt ihrer Väter, Brüder oder derer die einst behaupteten sie zu lieben, unterlegen.

1999 führte die UN-Generalversammlung, auf Initiative der Weltgesundheitsorganisiation, den 25. November als Internationalen Tag der Abschaffung von Gewalt gegen Frauen ein. Der Ursprung des Datums geht zurück auf das Jahr 1960; in diesem Jahr wurden die drei Mirabal-Schwestern [de] auf Befehl des Diktators Rafael Trujillo (1930-1961) in der Dominikanischen Repbulik brutal ermordet, weil sie für politische Gegner gehalten wurden.

Das Datenblatt Nr. 239, auf der Webseite der Weltgesundheitsorganisation im September 2011 veröffentlicht, liefert einige besorgniserregende Daten [en], die in einer global durchgeführten Studie gesammelt wurden:

Die Mehr-Länder-Studie der WGO über die Gesundheit von Frauen und häuslicher Gewalt gegen Frauen in 10 hauptsächlich Entwicklungsländern fand für Frauen im Alter von 15-49 heraus, dass:

  • zwischen 15% der Frauen in Japan und 71% der Frauen in Äthiopien physische und/oder sexuelle Gewalt eines Intimpartners in ihrem Leben meldeten;
  • zwischen 0.3–11.5% der Frauen angaben, dass sie seit dem Alter von 15 Jahren sexuelle Gewalt von jemandem erfahren haben, der nicht ihr Partner war;
  • die erste sexuelle Erfahrung für viele Frauen einer erzwungene war - 17% im ländlichen Tansania, 24% im ländlichen Peru, und 30% im ländlichen Bangladesh.

Es wäre jedoch ein Fehler zu denken, dass dieses Phänomen sich auf arme Länder in Afrika, Asien oder Lateinamerika beschränke.

Manifestation du 8 Mars à Dhaka pour l'élimination de la violence à l'égard des femmes

8. März (Internationaler Frauentag) Demonstration in Dhaka, auf Wikipedia mit Lizenz CC-BY-2.0

Häusliche Gewalt

Womann's World bringt etwas Licht in das Ausmaß eines Aspektes der Gewalt gegen Frauen in Frankreich:

Selon les chiffres officiels, une femme sur 10 est victime de violences conjugales et une femme meurt tous les 2,5 jours sous les coups de son conjoint ou concubin. En 2011, 122 femmes sont mortes en France. Des chiffres alarmants qui peinent à diminuer véritablement, en raison notamment du manque de mesures concrètes annoncées par le gouvernement. Qu’en est-il des questions d’accueil et de prise en charge des victimes ? L’Observatoire national des violences faites aux femmes promis par  Najat Vallaud-Belkacem, Ministre des droits des femmes, verra-t-il le jour ?

Offiziellen Zahlen zufolge ist eine von 10 Frauen ein Opfer von häuslicher Gewalt und alle 2,5 Tage stirbt eine Frau durch die Hand ihres Ehemannes oder Partners. 2011 starben 122 Frauen in Frankreich. Alarmierende Zahlen, die kaum wirklich gesenkt werden können, vor allem aufgrund des Mangels an konkreten Angaben der Regierung. Was ist mit der Aufnahme und Behandlung der Opfer? Wird das Observatoire national des violences faites aux femmes (Nationales Observatorium der Gewalt gegen Frauen) das Najat Vallaud-Belkacem, Minister für Frauenrechte, versprochen hat, je das Tageslicht erblicken?

Traditionelle Kultur

Einige Aspekte der Gewalt gegen Frauen in Frankreich sind an kulturelle Praktiken der Immigrationsbevölkerung gebunden, die diesen altüberlieferten Praktiken weiterhin folgen, die in ihren Ursprungsländern schon immer mehr aufgegeben werden. Die Seite Forum au Féminin enthüllt:

On estime qu'au moins 30 000 femmes et fillettes excisées vivent actuellement en France. Différentes organisations avancent le chiffre de 10 000 à 20 000 petites filles originaires d'Afrique, exposées au risque d'excision.

Man geht davon aus, dass mindestens 30 000 beschnittene Frauen und Mädchen derzeit in Frankreich leben. Andere Organisationen erheben eine Zahl von 10 000 bis 20 000 jungen afrikanischen Mädchen, die der Gefahr der Beschneidung ausgesetzt sind.

Vergewaltigung

Währenddessen kommen Vergewaltigungen häufiger vor und betreffen alle sozialen Milieus, wie der blog les-carnets-d-emma.blogs.lavoixdunord.fr uns in diesem Post erinnert:

75 000 femmes sont violées chaque année. Le viol ne donne lieu qu’à 3% de poursuites judiciaires. Une femme est violée toutes les 8 minutes. 59% des victimes de viol sont mineures. Les chiffres parlent d’eux-mêmes.

75 000 Frauen werden jedes Jahr vergewaltigt. Nur 3% aller Vergewaltigungfälle werden gerichtlich verfolgt. Alle 8 Minuten wird eine Frau vergewaltigt. 59% der Opfer sind minderjährig. Die Zahlen sprechen für sich selbst.

Zwei Frauen, die vergewaltigt wurden, schrieben in einem Kommentar zu diesem Post, was sie durchgemacht hatten. Eine der beiden Frauen erzählt, wie sie 8 Jahre lang von ihrem eigenen Vater angegriffen wird, der vor Gericht kam und zu sieben Jahren Gefängnis vor seinem Tod verurteilt wurde. Sie drückt ihre Gefühle gegenüber dem Tod ihres Vaters aus:

Un soulagement une page se tourne mais cela à provoqué, une aliénation durant toutes ces années de souffrance non reconnue et provoquera toujours au plus profond de moi un manque de confiance altérée. Je serais à jamais perturbée par cette histoire…

Es ist eine Befreiung, ein neuer Abschnitt beginnt, aber es führte zu einem Gefühl der Entfremdung während all dieser Jahre des unbemerkten Leidens und tief in mir drin werde ich immer einen Mangel an Vertrauen verspüren. Diese Geschichte wird mich niemals loslassen.

Andere Gewalt

Ein hohes Maß an Ungestraftheit und Gleichgültigkeit umgibt diese Art der Gewalt. Dies wurde von einer Studie der Ipsos für Femme Actuelle am Internationalen Tag des Kampfes gegen Gewalt gegen Frauen bestätigt.

… 16 % des sondés considèrent que le harcèlement moral ne relève pas du domaine de la violence. Par exemple, les commentaires sur un décolleté plongeant sont jugés “de mauvais gout mais sans réelle conséquence” pour 26 % des hommes. Les insultes sexistes sont ainsi jugées de moindre importance. Pourtant, la violence psychologique est la plus répandue avec 20% des femmes qui ont subi à plusieurs reprises le dénigrement de leur conjoint ou de leur partenaire. Enfin, les foyers défavorisés sont les plus touchés : 38 % des femmes aux revenus les plus faibles ont déjà rencontré des situations de violences dans leur couple.

… 16% der Befragten befinden, dass psychologische Belästigung nicht in der Kategorie Gewalt fällt. So werden beispielsweise Kommentare zu einem tiefen Ausschnitt von 26% der Männer als “geschmacklos, aber ohne wirkliche Konsequenzen” angesehen. Sexistischen Beleidigungen werden also weniger Wichtigkeit beigemessen. Dabei ist der emotionale Missbrauch der meist verbreitete; 20% der Frauen wurden wiederholt von ihrem Mann oder Partner verunglimpft. Zuletzt sind ärmere Haushalte am schwersten betroffen: 38% der Frauen mit einem geringeren Einkommen haben schon Gewaltsituationen in ihren Beziehungen erfahren.

 

Der Blog contre-dits.com diskutiert den unterschätzten Mut derer die sich, trotz aller Schwierigkeiten, trauen ihre Vergewaltiger anzuzeigen.

Sans ce soutien, les victimes, surtout les plus jeunes, ont tendance à se murer, dans l’appréhension de cet autre cataclysme que déclencherait le récit d’une souillure dont elles s’estiment souvent, confusément, coupables.

Douloureux à émettre, à supposer qu’il soit reçu, et à répéter des années durant jusqu’au tribunal, en dépit des menaces, leur témoignage est pourtant indispensable non seulement au retour de leur propre équilibre, mais à celui de la société, lequel passe par la prise de conscience des agresseurs potentiels, pas toujours à même d’évaluer les dégâts qu’ils vont causer.

Ohne diese Unterstützung neigen die Opfer – vor allem die jüngeren – dazu sich zu verschließen aus Angst vor der Katastrophe die das Geständnis dessen auslösen würde, für das sie sich oft unklar schuldig fühlen.

Es ist schmerzhaft auszusprechen – davon ausgehend, dass man ihnen glaubt – und, trotz Drohungen, jahrelang vor Gericht zu wiederholen. Ihre Aussage ist jedoch unabdingbar, nicht nur um das eigene innere Gleichgewicht wiederherzustellen, sondern auch das der Gesellschaft, das das Bewusstsein in potenziellen Angreifern fördert, die nicht immer in der Lage sind den Schaden, den sie anrichten, zu begreifen.

Der Blog Journal des Femmes berichtet von einer Initiative von 313 Frauen, die vergewaltigt wurden.

 Les 313 signataires font partie des 75 000 victimes recensées chaque année en France. On compte un viol toutes les 8 minutes dans notre pays. Ce fait de société n'épargne aucun milieu. Les femmes du manifeste ont entre 18 et 87 ans et sont représentatives de la population. Il y a des journalistes, des infirmières, des étudiantes, des cadres supérieurs, des assistantes sociales, des retraitées…

Die 313 Unterzeichnenden gehören zu den 75 000 Opfern, die jedes Jahr in Frankreich gemeldet werden. Es gibt in unserem Land alle acht Minuten eine Vergewaltigung. Diese soziale Realität betrifft alle Hintergründe. Die Frauen, die mit dem Manifest involviert sind, sind zwischen 18 und 87 Jahre alt und repräsentativ für die Bevölkerung. Sie sind Journalistinnen, Krankenschwestern, Studentinnen, leitende Führungskräfte, Sozialarbeiterinnen, Rentnerinnen und so weiter.

Hier ist eine Stellungnahme eines der Vergewaltigungsopfer und Unterzeichnerin des Manifests der 313 [Video auf Französisch]:

Es gibt einige Telefonnummern die bei Bedarf angerufen werden können. Die Seite lesnouvellesnews.fr präsentiert einige dieser Nummern mit den Namen der Organisationen zu denen sie gehören:

Le 0.800.05.95.95, ‘SOS Viol’ du Collectif féministe contre le viol. Appel gratuit. Le 01.45.84.24.24, numéro de l’Association européenne contre les Violences faites aux Femmes au Travail (AVFT). Permanence téléphonique du lundi au vendredi de 9h30 à 15h (prix appel local). Le 08.842.846.37 (08 Victimes) de l’Inavem. Pour les victimes d'agressions sexuelles. Numéro non surtaxé, tous les jours de 9h à 21h.

0.800.05.95.95, ‘SOS Viol’ (SOS Vergewaltigung) des Collectif féministe contre le viol (Feministisches Kollektiv gegen Vergewaltigung). Kostenlos. 01.45.84.24.24, die Nummer der Association européenne contre les Violences faites aux Femmes au Travail (AVFT, Europäische Gesellschaft gegen Frauengewalt am Arbeitsplatz). Hilferuf Montag-Freitag 9.30-15.00 Uhr (Ortstarif). 08.842.846.37 (08-VICTIMES) von Inavem. Für Opfer von sexuellen Übergriffen. Keine Extrakosten, jeden Tag von 9.00-21.00 Uhr.

Der hohe Zulauf dieser Nummern ist mit finanziellen Problemen verbunden die iht Weiterbestehen bedrohen. Die kostenlose Nummer 3913 verdient jedoch laut Blog lesnouvellesnews.fr eine besondere Erwähnung:

Pas question en tout cas de remettre en cause le numéro « officiel », le 3919, numéro vert sur les violences conjugales géré par l’Association Nationale Solidarité Femmes. Un numéro gratuit et anonyme : il n'apparaît pas sur les factures téléphoniques

Jedenfalls wird die “offizielle” Nummer 3913, eine Nummer zur Hilfe bei häuslicher Gewalt, die von der Association Nationale Solidarité Femmes (Nationale Verbindung der Solidarität der Frauen) gehalten wird. Eine kostenlose und anonyme Nummer: sie erscheint nicht auf Rechnungen.

Erzwungene Prostitution

Prostitution kann, wenn sie nicht freiwillig betrieben wird, eine Form der Gewalt gegen Frauen annehmen, die von Männern, die sie ausbeuten, in diese Arbeit gewungen werden. Der Blog avocats.fr liefert Statistiken:

Selon l'Office central pour la répression de la traite des êtres humains (OCRTEH), il y aurait entre 18 000 et 20 000 personnes prostituées en France aujourd'hui. La prostitution est-elle légale en France ? Les clients peuvent-ils être sanctionnés ? Les précisions de Maître Julie Scavazza.

Laut des Office central pour la répression de la traite des êtres humains (OCRTEH, Zentralbüros für den Kampf gegen Menschenhandel) gibt es heute zwischen 18 000 und 20 000 Prostiuierte in Frankreich. Ist Prostitution in Frankreich legal? Können Kunden bestraft werden? Anwältin Julie Scavazza hat Details.

Diesen 25. November mobilisert auch das Kollektiv Abolition 2012 um auf mouvementdunid.org an ihre Forderungen zu erinnern – die Abschaffung von Strafmaßnahmen gegen Prostituierte:

  • La mise en place de politiques efficaces de lutte contre le proxénétisme.
  • L’interdiction de l’achat d’un acte sexuel.
  • La mise en place d’alternatives à la prostitution (accès aux droits, au logement, à la santé).
  • Une politique de prévention et d’éducation à l’égalité entre les femmes et les hommes
  • Einsatz einer effektiven Politik gegen Zuhälterei
  • Verbot des Kaufes eines sexuellen Aktes
  • Bereitstellung von Alternativen zur Prostitution (Zugang zu Rechten, Unterkunft, Gesundheit)
  • Einführung einer Politik zur Prävention und Bildung über Gleichberechtigung

 

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