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Ist die Emanzipation von Frauen Schlüssel zur Bekämpfung des weltweiten Hungers?

Dieser Text ist Teil der Pulitzer Center/Global Voices Onlineserie über Ernährungssicherung. Die Beiträge basieren auf  Pulitzer Gateway to Food Insecurity-Multimediaberichten sowie auf den weltweiten Diskussionen der Bloggergemeinschaft. Veröffentliche deinen eigenen Beitrag über Ernährungssicherung hier.

Während die weltweiten Lebensmittelpreise hoch sind und möglicherweise wegen der hohen und wachsenden Ölpreise sowie der Frage des Angebots weiter ansteigen werden, sind sich viele Experten einig, dass eine Lösung im Kampf gegen weltweiten Hunger oftmals übersehen wird: Frauen.

Geschlechterkluft

Woman farmer harvesting high yielding maize variety. Image by Flickr user IITA Image Library (CC BY-NC 2.0).

Bäuerin bei der Ernte von gewinnbringendem Mais. Image by Flickr user IITA Image Library (CC BY-NC 2.0).

In vielen Entwicklungsländern sind Frauen wesentlich an der Lebensmittelproduktion beteiligt und machen durchschnittlich 43 Prozent der landwirtschaflichen Arbeitskräfte aus. Schätzungen zufolge sind in Asien 60 Prozent der an Landwirtschaft beteiligten Kräfte Frauen, während die Zahlen in Afrika sogar auf 80 Prozent geschätzt werden.

Während des ‘Envision Forum’ in New York sprach die Under-Secretary General und Vorsitzende des UN Entwicklunsprogramms, Rebeca Grynspan, über die Rolle der Frauen in der Bekämpfung von Hunger und Armut:

Wenn wir nur über die ländlichen Gegenden sprechen, produzieren Frauen 50 Prozent der weltweiten Lebensmittel. Jedoch erhalten sie nur 1 Prozent der Mittel, obwohl sie jene 50 Prozent der Lebensmittel herstellen.

Zusätzlich zu der fehlenden Anerkennung erklärt ein im letzten Monat veröffentlichter Bericht der UN Ernährungs-und Landwirtschaftsorganisation dass, während sich die Rolle der Bäuerinnen in den verschiedenen Regionen unterscheide, sie durchweg weniger Zugang zu Ressourcen und Möglichkeiten haben als ihre männlichen Kollegen. Eine Überwindung dieser Geschlechterkluft könnte bis zu 150 Millionen Menschen vor Hunger bewahren.

Auf der Webseite der Asian Farmers Association for Sustainable Rural Development nennt Ma. Estrella A. Penunia sechs Hauptgründe, warum wir uns für Bäuerinnen einsetzen sollten, vor allem in Bezug auf Ernährungssicherung. Auch die US-Farmerin Emily Oakley, die sich bereits mit dem Thema der Kleinbauern in verschiedenen Ländern beschäftigte, schreibt in einem Beitrag auf dem Blog In Her Field über Frauen in der Landwirtschaft:

In den meisten Orten die ich besucht habe sind Frauen mehr als nur eine Hilfskraft; sie arbeiten gemeinsam mit ihren Männern und erledigen dabei die täglichen Arbeiten, fällen Entscheidungen, planen gemeinsam die nächsten Schritte. In Kenia ist es sogar üblicher, dass nur die Frau, mit ihrem Kind auf den Rücken gebunden, den Acker bearbeitet und dabei nicht von ihrem Mann begleitet wird. In einem abgelegenen Dorf im Westen Nepals (eine halbtägigen Strecke zur nächstgelegenen Straße) waren sich die Bewohner einig, dass eine Frau der fortschrittlichste Bauer war. Ihre Farm galt als eine Oase des Wachsens und der Vielfältigkeit, während andere Farmen eine Beeinträchtigung ihres Bodens erlebten und schlechte Gewinne einfuhren.  Neulich nahm ich an einem Farmer-to-Farmer Projekt in der Dominikanischen Republik teil, das sich mit weiblichen Farmern und der gewerblichen Treibhausproduktion von Paprikaschoten beschäftigte. Dies ist nur ein kleiner Ausschnitt der Arbeit von Frauen in der Landwirtschaft.

Lebensmittel für die ganze Familie

Viele Frauen arbeiten als Subsistenzbäuerinnen, Kleinunternehmerinnen, unbezahlte oder Gelegenheitsarbeitskräfte. Gäbe man diesen Frauen die gleichen Mittel und Ressourcen wie Männern, d.h. besseren Zugang zu finanzieller Hilfe, technisches Equipment, Anbaufläche, Ausbildung und Marktzugang, könnte die landwirtschaftliche Produktion in Entwicklungsländern laut des UN-Berichts um 2,5 bis 4% steigen. Im Gegenzug könnte der Produktionsgewinn die Anzahl der an Hunger leidenden Menschen um 12 bis 17% oder  um 100 bis 150 Millionen Menschen reduzieren. Im Jahr 2010 lag die Zahl der weltweit Unterernährten bei 925 Millionen.

Wie der Bericht weiter feststellt könne die Emanzipation von Frauen zudem die Situation der Ernährungssicherung verbessern, da Frauen gewöhnlich einen größeren Teil des Einkommen für Lebensmittel, Ausbildung und andere Grundbedürfnisse ausgeben als Männer. Jedoch schreibt der aus Nepal stammende Forscher Dipendra Pokharel auf seinem Blog, dass durch die vornehmliche Rolle der Frau im Haushalt ihre Bedürfnisse leicht übersehen werden können:

Bäuerinnen haben oftmals andere Prioritäten als ihre männlichen Kollegen, was in häufigen Fällen auf deren direkte Rolle als Ernährer der Familie zurückzuführen ist. In den ländlichen Gegenden Nepals kontrollieren Männer traditionellerweise die ‘Außenwelt', während Frauen sich um die häuslichen Dinge kümmern. Diese traditionelle Perspektive kann zu einseitigen geschlechtsneutralen Informationen führen, mit der anfänglichen Absicht der Gemeinschaft helfen zu wollen. Denn normalerweise sind es die Männer, die Informationen an Außenstehende weitergeben. Dadurch werden die Interessen der Frauen häufig übersehen, es sei denn, sie werden besonders in Bezug genommen. Dies unterstützt auch den Eindruck, dass Bäuerinnen weniger Zuwendung erhalten, um so ihre Subsistenzwirtschaft in eine gewinnbringendere Form zu wandeln.

Wie der Bericht außerdem feststellt bewirtschaften Frauen oftmals kleinere Farmen als Männer, durchschnittlich zur Hälfte bis 2/3 kleiner, und haben geringere Erträge. Die Wahrscheinlichkeit dass eine Frau Land besitzt oder Zugang zu gepachtetem Land hat, ist zudem geringer. In Westasien und Nordafrika machen Frauen zum Beispiel weniger als 5 % der Landbesitzer aus.

Jane Tarh Takang, die bereits mit Farmern aus West- und Zentalafrika zusammenarbeitete, spricht in einem von Edith Abilogo geführten Interview über das Thema Bodenrecht, (veröffentlich auf FORESTSBlog, Blog des ‘Center for International Forestry Research'):

Im Gegensatz zu Männern und Jungen haben Frauen und Mädchen in den meisten afrikanischen Gemeinschaften einen eher beschränkten Zugang zu Land und Besitz. Ohne Land haben sie jedoch nicht die Möglichkeiten und Mittel, ihre Familie zu ernähren und Einkommen zu erwirtschaften, wodurch die Armut wiederum an die Kinder weitergegebn wird. Schlimmer stellt sich die Situation außerdem für Witwen und unverheiratete Frauen dar…  In Fällen, bei denen die Anbauflächen wegen nicht nachhaltiger Methoden ausgelaugt sind, nutzen Männer die fruchtbaren Acker für ihren eigenen Anbau und stellen die weniger fruchtbaren Flächen den Frauen zur Verfügung.

Elfinesh Dermeji, eine äthiopische Bäuerin und Teilnehmerin des Workshops zum Thema ‘geschlechter- und marktorientierte Landwirtschaft’ in Addis Ababa dieses Jahres, schreibt in einem Beitrag im New Agriculturist, dass es nicht immer einfach sei Frauen dazu zu bringen, sich in der Landwirtschaft einzubringen:

In manchen Familien, in denen die Männer ihre Frauen an der Arbeit beteiligen wollen, sind deren Frauen oft nicht motiviert oder geschäftlich orientiert. In anderen Fällen sind Frauen motiviert und bereit sich einzubringen, jedoch wollen ihre Männer nicht, dass sie das Haus verlassen und nehmen dafür ein geringers Einkommen in Kauf.

Die Suche nach einer Lösung

Weltweit beschäftigen sich zahlreiche Projekte mit dem Thema ‘Frauen in der Landwirtschaft': von einer Ermutigung der ghanaischen Frauen Traktoren zu kaufen, die Erkämpfung des Rechts der philipinischen Frauen auf Landtitel, bis hin zu einer größeren Nutzung von Informations- und Kommunikationstechnologien unter Ugandas Bauern.

Auf OneWorld South Asia beschreibt Ananya Mukherjee-Reed wie sich  250,000 Kudumbashree Mitglieder (ein Netzwerk aus 3,7 Millionen Frauen aus dem indischen Kerala) zu einem Bauernverband zusammengeschlossen haben, um gemeinsam Land zu pachten und zu bewirtschaften:

‘Als Bäuerinnen kontrollieren wir nun selbst unsere Zeit, Ressourcen und Arbeit,’ war die vorheerschende Einstellung. Dhanalakhsmi, eine junge Frau aus Elappully, erzählte mir, dass die Umstellung ihrer Rolle von einer Arbeiterin zu einer Produzentin auch großen Einfluss auf ihre Kinder hatte. ‘Sie nehmen mich nun anders wahr. Wenn wir Frauen uns über unsere Farm, unser Einkommen oder einfach unsere Probleme unterhalten, sehen sie uns mit viel Interesse zu.’

Viele Blogger sagen, dass noch mehr getan werden kann. In einem Beitrag auf Solutions fordert Yifat Susskind, dass die USA als Teil ihrer Entwicklungshilfe Ernte von afrikanischen Bauern beziehen sollte. Dipendra Pokharel schreibt, dass Frauen aus ländlichen Gegenden an sozialem und politischem Raum gewinnen müssen, in privaten sowie öffentlichen Bereichen. Auf Shakesville bekämpft Melissa McEwan den Irrglaube dass nur Männer auf Feldern arbeiten, indem sie fast 100 Fotos von Bäuerinnen weltweit veröffentlicht. Der Bericht fordert zudem Veränderungen auf der politisch-gesetzlichen Ebene.

Unabhängig vom Ansatz, um Erfolg zu haben müssen alle mit einbezogen werden, so Ma. Estrella A. Penunia:

Da in vielen Entwicklungsländern die Landwirtschaft eine Familienangelegenheit ist, ist die wohl wichtigste Aufgabe die Unterstützung seitens ihrer Ehemänner und männlichen Mitglieder der Organisationen und Gemeinden. In Haushalten, in denen Frauen und Männer auf die Dynamik der Geschlechter aufmerksam gemacht wurden und an deren gleiche Rechte und Möglichkeiten glauben, können Bäuerinnen aus dem Vollen schöpfen.

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