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Komm während der Weinachtszeit nach China, um Religionsfreiheit zu genießen!

Das Sprachrohr der Kommunistischen Partei Chinas, Global Times, hat an Heiligabend einen Leitartikel veröffentlicht, der internationale Beobachter Chinas dazu aufruft, die Feiertage in China zu verbringen [zh]. So würden sie Zeugen werden, wie die Chinesen im gesamten Land Weihnachten feiern.

Dieser Artikel erschien als Reaktion auf die wachsende Kritik, dass China keine religiöse Freiheit habe. Einem Bericht von China Aid [en] zufolge, wurden 2011 mindestens 1289 Menschen wegen Ausübens einer Religion verhaftet.

Trotz des gewagten Global-Times-Artikels, berichteten Netzbürger davon, dass die Eingänge einiger Kirchen während der Weihnachtszeit blockiert wurden. Darüber hinaus hat die muslimische Minderheit in China (die Uiguren), die über den Artikel sehr aufgebracht war, die Global Times dazu aufgefordert, Beobachter zu deren muslimischem Fest in die Xinjiang-Region einzuladen.

In China ist Weihnachten nichts weiter als ein Konsumfeiertag. Foto von Flickr-User Marc van der Chijs CC: BY-SA.

Konsumfreiheit ist keine Religionsfreiheit

Die meisten Netzbürger verwiesen schnell auf den Irrtum des Global-Times-Artikels, dass man Religionsfreiheit auf die profane Weihnachtsfeier reduziere. Unten sind ein paar augenblickliche Reaktionen aus einem News-Thread [zh] auf der chinesischen Microblogging-Seite Sina Weibo aufgeführt:

铭格格-洛桑卓玛:在胡编无知狭隘的眼里,商业炒作等同于宗教信仰自由,容许进教堂寺庙道观等地方参观等同于宗教信仰自由。。。

铭格格-洛桑卓玛: Aus der oberflächlichen Sicht des Global-Times-Redakteurs Hu Shijun ist ein kommerzielles Fest mit Religionsfreiheit gleichzusetzen, sind Touristenbesuche in Kirchen und Tempeln mit Religionsfreiheit gleichzusetzen…

彭勇-AARON:这是消费自由!别扯信仰自由。。。

彭勇-AARON: Das ist Konsumfreiheit, verbindet es nicht mit Religionsfreiheit.

Blockierte Kirchen

Ironischerweise fanden die Netzbürger heraus, dass einige Kirchen am Heiligen Abend blockiert und abgeriegelt wurden. Deci celestial berichtete [zh] am 24. Dezember 2012 in Tianjin:

无事去滨江道和西开教堂转了一圈儿,节日气氛相当浓厚。去参观教堂的所有入口都被封了,最后定向越野似的循着警察贴在电线杆商场柱子和柜台上的A4纸指示才找到一个隐秘的特别入口,中间警察至少有5重把关

Die Feststimmung war gewaltig und ich fuhr zur Xikai-Kirche nahe der Bingjiang-Straße. Alle Eingänge zur Kirche waren versperrt. Schließlich fand ich einen Geheimeingang, indem ich einer Anleitung im DIN-A4-Format folgte, die an einem Strommasten hing. Unterwegs kam ich an mindestens fünf Polizeiblockaden vorbei.

Hochgeladene Fotos von Weibo-Nutzer Liagyage, die eine abgeriegelte Kirche in Xian zu Weihnachten zeigen.

Am 25. Dezember protestierten viele Christen in Xian in der Shaanxi-Provinz, weil ihre Kirche gesperrt wurde. Liagyage lud ein paar Fotos hoch und beschrieb [zh] die Lage:

圣诞节被封了门的基督教堂,被堵了的道路,全球狂欢日,这些人却在寒夜上演着席地痛哭的悲剧?是何缘由?

[Die Fotos zeigen] Den versperrten Eingang zur Kirche; einen blockierten Weg. Während die ganze Welt feiert, sitzen die Leute hier auf dem Boden und weinen in einer kalten Winternacht? Warum?

Darkmumu repostete Liyiforevers Foto [zh] und erhielt [zh] dafür eine ganze Menge Kommentare über die Realität religiöser Freiheit in China:

天行者68th:凡是有人聚集的地方,凡是不是他们的恶毒谎言能够辖制到的地方,都是禁地。

天行者68th: Plätze, in denen sich Menschen versammelt haben und wo sie nicht von ihren [der Obrigkeit] Lügen kontrolliert werden konnten, sind jetzt verbotenes Territorium.

染香姐姐:这些二逼,把阳光下的教堂封了,是让人去信邪教吗??黑暗滋生一切罪恶,如果中国能够公开传教,根本就不会把好好的宗教越信越邪。

染香姐姐: Sie sind so dumm. Die Kirche unter der Sonne zu versperren, bringt die Leute dazu, an böse Kulte zu glauben. Wenn Unternehmungen im Dunkeln passieren, werden sich daraus Sünde und Kriminalität ergeben. Wenn China offenes und öffentliches Predigen erlaubt, werden sich religiöse Aktivitäten nicht in Sekten verwandeln.

西葫芦馅儿:在这个国度信仰是一种奢侈。

西葫芦馅儿: Es ist ein Luxus, irgendeinen Glauben in diesem Land aufrechtzuerhalten.

实习奋青:在这个地方,改信钱吧。

实习奋青: In diesem Land glaubt man besser an das Geld.

Hauskirchen sind “böse Sekten”

In China müssen sämtliche evangelische Unternehmungen von der Drei-Selbst-Bewegung der evangelischen Kirchen Chinas [en] koordiniert werden. Diese unterliegt wiederum der Kommunistischen Partei Chinas (CCP). Andere christliche Sekten, in Form der Hauskirche, sind illlegal und man kann leicht hart gegen sie vorgehen. Menschen außerhalb des Christentums neigen dazu, zu glauben, dass religiöse Aktivitäten fern der Drei-Selbst-Kirchen böse Sekten sind. Leider sind Meinungen wie die folgende von 詹姆-兰尼斯特 [zh] nicht ungewöhnlich:

这条新闻我真心不是很相信,教堂都是教产,而且国内都是三自爱的教产,政府自己封自己?被封的是家庭教会的可能性极大——如果真的是家庭教会,我预先说一句去你麻痹的臭邪教!

Ich glaube nicht an diese Nachricht [Kirchenblockade in Xian]. Alle Kirchen sind Eigentümer der Kirche und in China gehören diese der Drei-Selbst-Kirchen. Die Regierung wird doch nicht ihre eigene Abteilung sperren? Es ist sehr wahrscheinlich, dass die blockierte Kirche eine Hauskirche ist. In diesem Fall würde ich sagen “Verpisst euch, ihr stinkenden bösen Sekten!”

Beobachter zu den muslimischen Festen einladen

Die Uiguren-Gemeinschaft in China findet den Artikel der Global Times ebenfalls problematisch. Uighurbiz.net schrieb einen Kommentar, der die Global Times dazu aufforderte, Beobachter zu den muslimischen Festen in Xinjiang einzuladen:

《环球时报》的这篇评论漏洞百出,它把中国年轻人“过洋节”的消费文化移花接木地理解成了基督教文化在中国的自由发展。如果不是节日效应刺激效应,官方还会这么网开一面吗?另外,基督徒人数增加的首要原因是人们对国家核心价值观的失望之后转投宗教的怀抱以此寻求安慰呢,还是确如文章所说的是中国政府的开明政策呢?这需要系统的论证。
如果在开斋节或宰牲节等穆斯林传统节日来临之际,西方媒体指责中国政府压制穆斯林的宗教自由时,《环球时报》是否还敢发布一篇题为《怀疑宗教自由请来疆过节》的文章

Der Artikel der Global Times ist voll von Irrtümern. Er verwandelt den Konsum eines “westlichen Festes” junger chinesischer Menschen in einen Beweis für die Freiheit der christlichen Kultur in China. Würde die Regierung die Kontrolle verlieren, wenn Weihnachten kein Konsumfeiertag wäre? Der Anstieg der Anzahl an Christen in China ist hauptsächlich eine Reaktion auf den Verlust der zentralen Werte in diesem Land. Die Menschen suchen Trost in der Religion. Hat das irgendetwas mit der offenen Politik der Regierung zu tun? Wir brauchen eine systematische Debatte darüber. Wenn die westlichen Medien die Unterdrückung der muslimischen religiösen Unternehmungen am Abend des Eid al-Fitr und Eid al-Adha in China kritisieren, wird es die Global Times dann wagen, einen Leitartikel mit dem Titel “Skepsis über Religionsfreiheit in China, bitte gehen Sie zum Fest nach Xinjiang” zu veröffentlichen?

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