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Afghanistan nach 2014: Kehren die dunklen Tage zurück?

Dieser Beitrag ist Teil unserer Berichterstattung zu Internationalen Beziehungen & Sicherheit. [en]

Nationale Armee Afghanistans (ANA). Foto von Lt Sally Armstrong, RN / MOD via Helmand Blog auf Flickr (CC BY-NC-ND 2.0)

Am 7. Oktober 2012 jährte sich der von den Vereinigten Staaten geführte Krieg in Afghanistan zum elften Mal. Internationale Kampftruppen sollen Ende 2014 das Land verlassen [en], aber der Krieg ist weiterhin eine “mission unaccomplished“ [en]. Nach jahrelangen Konflikten sollen NATO-Truppen nun die Verantwortung für die Sicherheit im Land an die afghanische Armee abgeben. Es wird sich zeigen, ob die Afghanen nach Abzug der ausländischen Truppen in der Lage sind, Ordnung und Stabilität zu sichern.

Nach dem 11. September sind die Vereinigten Staaten und ihre NATO-Alliierten in Afghanistan einmarschiert, um das Taliban-Regime [en] und die Hauptführer von Al Kaida zu demontieren. Nach wochenlangen Kämpfen schafften es NATO-Truppen, die Taliban [en] aus zahlreichen Städten zu vertreiben und den Aufbau eines neuen demokratischen Landes zu unterstützen – die Islamische Republik Afghanistan.

Das Taliban-Regime bleibt bei den meisten Afghanen in bitterer Erinnerung und sie wollen das Regime nie wieder an der Macht sehen.

Naseer, ein Einwohner Kabuls schreibt [fa]:

زمان طالبان،‌یک زمان تاریک در تاریخ کشور ماست. در زمان طالبان مردم ما هیچ امیدی برای زندگی کردن نداشتند. چون هرچه که داشتند توسط طالبان یا سوزانده شد یا هم خراب شد[...] دوره طالبان دوره سیاهی است که هیچ شهروند افغان خاطرات آن را از یاد نمی‌برند.

Das Taliban-Regime war eine dunkle Zeit in der Geschichte unseres Landes. Während des Regimes hatte unser Volk keine Lebenshoffnung mehr. Wenn sie irgendetwas besaßen, wurde dies entweder verbrannt oder vernichtet [...] Das Taliban-Regime war eine dunkle Zeit, die die Afghanen niemals vergessen werden.

Viele Afghanen litten unter dem Taliban-Regime in unterschiedlicher Weise, doch Frauen am meisten.

Tahmina Barakzay, eine Lehrerin aus Kabul, schreibt [fa]:

«در زمان طالبان ما مجبور بودیم که در خانه باشیم. در بیرون از خانه کارکرده نمی‌توانستیم. اگر بیرون می‌برآمدیم حتما چادری می‌پوشیدیم. اگر چه من منحیث زن مسلمان پیش از زمان طالبان هم چادر به سرداشتم و حجاب اسلامی را مراعات می‌کردم اما در زمان طالبان اگر چادری نمی‌داشتیم، توسط طالبان کیبل می‌خوردیم [...] ما از طالبان خاطره خوش نداریم. طالبان بدبختی‌های مردم ما را زیاد کردند و نمی‌خواهیم که این‌ها بار دیگر سر قدرت بیایند.

Während des Taliban-Regimes wurden wir gezwungen zu Hause zu bleiben. [Wir] durften nicht draußen arbeiten. Wenn wir rausgingen, mussten wir eine Burka tragen. Vor dem Taliban-Regime habe ich als Muslimin auch einen Schleier getragen und mich nach den islamischen Regeln bezüglich des Hidschabs gerichtet. Aber während des Regimes wurden wir geschlagen, wenn wir keine Burka getragen haben [...] Wir alle haben die Taliban in schlechter Erinnerung. [Sie] haben das Leiden unseres Volkes vermehrt. Wir wollen sie nie wieder an der Macht sehen.

Sollen sie gehen oder bleiben?

Zmaray Zalmay, eine 30-jährige Entwicklungshelferin in Kabul sagt [en]:

Die Amerikaner sollten Afghanistan bis 2020 nicht verlassen. Wir haben die Erfahrungen aus dem Jahr 1992 [das Jahr, in dem die von der Sowjetunion unterstützte kommunistische Regierung zerbrach und einen Bürgerkrieg in Afghanistan auslöste]. Wir sind in Sorge über Russland, China und Pakistan. Wir brauchen Amerika.

 

Nicht alle Afghanen sind dieser Meinung. Viele sind von der Präsenz der NATO-Truppen in ihrem Land nicht überzeugt. Ghulam Habib, Mitglied eines Gemeinderates in der Provinz Tachar zum Beispiel postuliert:

Über die letzten zehn Jahre hat sich die Lage hier unter Anwesenheit der Amerikaner noch mehr verschlechtert. Die Präsenz der Taliban und von Al Kaida ist jeden Tag gestiegen. Das zeigt, dass die US-Strategie keine Sicherheit bringen kann. Sie können also gehen.

 

Ein kürzlich erschienener Bericht der International Crisis Group (ICG) warnt vor einem möglichen Zusammenbruch der afghanischen Regierung nach dem Truppenabzug. Und einige prognostizieren Konflikte ethnischer Gruppen [en] im Land.

Die afghanische Regierung reagiert [en] auf den Bericht:

Unsere Nation wurde 2002 gegründet. Wir haben eine Geschichte, die 5.000 Jahre zurückreicht. Wir haben schon in der Vergangenheit gegen Supermächte gekämpft. Unsere nationale Polizei und Armee können die Seele und Souveränität des Landes verteidigen.

Der Entsandte der Vereinten Nationen, Jan Kubis, stellte sich Vorhersagen [en] eines Zusammenbruchs Afghanistans nach 2014 ebenfalls entgegen. Kubis sagte [en]:

Die internationale Gemeinschaft ist bereit, Afghanistan in jeder möglichen Form zu unterstützen und ehrlich gesagt, das Land vor diesen Untergangsszenarien zu bewahren, die aus unterschiedlichen Richtungen kommen.

Frogh Wazhma, eine afghanische Gender- und Entwicklungsspezialistin und Menschenrechtsaktivistin, kritisiert auf Twitter:

@FroghWazhma: Berichte über Berichte, die Afghanistans Abstieg ins Chaos vorhersagen. Warum sind die Experten so darauf aus, ein Scheitern zu fördern und vorherzusagen??

Dieser Beitrag und die Übersetzungen ins Spanische, Arabische und Französische wurden von dem International Security Network (ISN) im Rahmen einer Partnerschaft zur Förderung von Bürgermeinungen zu Themen im Bereich internationalen Beziehungen und Sicherheit weltweit in Auftrag gegeben. Der Beitrag wurde erstmals im ISN Blog veröffentlicht. Ähnliche Beiträge findest Du hier.

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