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Peru: Die Verschmutzung des Titicaca-Sees

Nach einer alten Legende entstiegen zu Anbeginn der Zeiten Manco Cápac und seine Frau Mama Ocllo, Kinder des Gottes Inti, den Wassern des Titicaca-Sees, um die Stadt Cusco und das Inka-Imperium zu gründen. Heute wissen wir angesichts des Verschmutzungsgrades des Sees nicht, welche Art von Wesen noch aus dem Titicaca kommen könnten.

Obwohl das Thema bereits seit einiger Zeit im Gespräch ist, wurde ihm bisher nicht die angemessene Bedeutung gegeben.

Der Titicaca-See ist der höchstgelegene schiffbare See der Welt (3.812 m über dem Meeresspiegel). Er befindet sich zwischen Peru und Bolivien, und beide Länder sind für seinen Schutz verantwortlich. Zu diesem Zweck wurde die sogenannte Autoridad Binacional Autónoma del Sistema Hídrico del lago Titicaca, río Desaguadero, lago Poopo y salar de Coipasa [Autonome Binationale Behörde des Wassersystems des Titicaca-Sees, des Flusses Desaguadero, des Flusses Poopo und des Salzsees Coipasa] [es] gegründet, deren Aktionen durch das Proyecto Especial Lago Titicaca [Sonderprojekt Titicaca-See] [es] (Peru) und die Unidad Operativa Boliviana [Bolivianische Operative Einheit] ausgeführt werden.

Die Situation im Gebiet des Titicaca-Sees in der Nähe der Stadt Puno vor zwei Jahren wird in diesem Video des peruanischen Nachrichtenportals Enlace Nacional dargestellt:

Am 2. Februar dieses Jahres, dem ”Internationalen Tag der Feuchtgebiete”, wurde der Titicaca-See von den Organisationen Global Nature Fund (Deutschland) und Living Lake (USA) zum “Bedrohten See 2012″ erklärt [es]. Zu den Faktoren, die nach den Worten des Ingenieurs Alberto Lescano Rivera, Direktor des Centro de Desarrollo Social y Ambiental [Zentrum für Sozial- und Umweltentwicklung] (CEDAS), zu dieser Situation beitragen, gehören “der offizielle und der inoffizielle Bergbau, die unsachgemäße Entsorgung und Verarbeitung von Abfallstoffen sowie die Abwässer aus der Stadt Puno”. Der höchste Verschmutzungsgrad sei jedoch “an der Cohana-Bucht (Bolivien) zu verzeichnen”.

Das Blog von Pachamama Radio vertieft das Thema und hält die Darlegungen [es] des Umweltaktivisten Moisés Duran fest:

“Más de un millón de litros de agua contaminada por segundo, que ingresan al lago Titicaca, provienen en su mayoría de la minería, industria y hospitales” […] Asimismo, cuestionó el trabajo del Proyecto Especial Lago Titicaca (PELT), porque no existe voluntad política para elaborar proyectos y descontaminar el lago.

“Die mehr als eine Million Liter Abwasser pro Sekunde, die in den Titicaca-See fließen, stammen hauptsächlich aus Bergbau, Industrie und Krankenhäusern” [...] Außerdem stellte er die Arbeit des Proyecto Especial Lago Titicaca [Sonderprojekt Titicaca-See] (PELT) in Zweifel, da der politische Wille für die Entwicklung von Projekten und zur Sanierung des Sees fehlt.

Lago Titicaca. En primer plano la "lenteja".

Titicaca-See. Im Vordergrund die “Wasserlinse”. Forum “Waiting for a voyage” von dem Flickr-User auntjojo, unter der Creative-Commons-Lizenz Namensnennung-Keine Bearbeitung 2.0 Generic (CC BY-ND 2.0).

Die Webseite Verde y Gris ihrerseits kommentiert [es] das ständig wachsende Vorkommen der “Wasserlinse” auf dem See:

en la bahía interior de Puno (Perú) existe la presencia de Lemna (Lemna es un género de plantas acuáticas de libre flotación de la familia de las lentejas de agua Araceae). Cubren toda la superficie del agua debido a los altos niveles de contaminación por fosfatos y nitratos. Esta planta se reproduce de forma muy rápida, lo cual complica mas su erradicación. La existencia de esta planta está produciendo la muerte de muchos peces y otros organismos del lago, ya que al cubrir la superficie impide la oxigenación correcta del agua y también produce un desagradable olor.

In der inneren Bucht von Puno (Peru) wächst die Wasserlinse (die Wasserlinse ist eine frei auf dem Wasser treibende Pflanzenart aus der Familie der Aronstabgewächse Araceae). Wegen der starken Verschmutzung mit Phosphaten und Nitraten bedecken diese Gewächse die gesamte Wasseroberfläche. Sie vermehren sich sehr schnell, was ein Ausmerzen noch mehr erschwert. Das Vorhandensein der Wasserlinse führt zum Tod vieler Fische und anderer Wasserorganismen, denn durch die Ausbreitung auf der Oberfläche wird die ausreichende Durchmischung des Wassers mit Sauerstoff verhindert und außerdem ein unangenehmer Geruch erzeugt.

Eine Untersuchung [es] der Universidad Nacional Agraria [Nationale Agraruniversität] La Molina, verweist jedoch bezüglich der Wasserlinse darauf, dass man sich wegen “der Effizienz dieses Organismus, unter schwierigen Bedingungen zu wachsen, [...] als Alternative seiner bedienen könnte, um die Eutrophierung des Sees zu verringern.” Die Eutrophierung ist der Prozess, aufgrund dessen im Wasser wegen des Nährstoffüberschusses eine Biomasse heranwächst, die zu einer Abnahme des Sauerstoffgehalts im Wasser und später zum Austrocknen führen kann.

Vor Kurzem wurde vom PELT der Beginn von Arbeiten zum Beheben der bergbaulichen Kontamination angekündigt [es], diese Arbeiten sollten “im Distrikt Crucero in Puno beginnen, durch den der Fluss Ramis fließt, einer der Hauptzuflüsse des Titicaca, wo wegen der Bergbauaktivitäten eine verstärkte Kontamination festgestellt worden war.” Die bolivianische Seite informierte [es] ebenfalls darüber, dass “in den Verwaltungsbezirken Copacabana und Guaqui der Bau von Kanalisationen für sanitäre Anlagen und Regenwasser vorgesehen ist, außerdem das Anlegen einer sanitären Deponie in Desaguadero, um zu verhindern, dass die Abwässer in den Titicaca fließen.”

Bezüglich der bergbaulichen Kontamination hat die Reserva Nacional del Lago Titicaca [Nationalpark Titicaca-See] [es] im Jahr 2009 folgendes Video produziert:

Die Kontroverse ist auch nicht so fern von diesem Problem: im Juni dieses Jahres wurden Unregelmäßigkeiten bei der Verwaltung von Geldmitteln der Autoridad Binacional Autónoma del Titicaca [Autonome Binationale Behörde des Titicaca] angeprangert [es], außerdem die spärlichen Ergebnisse ihres Wirkens. Auch der Bürgermeister von Puno, Luis Butrón Castillo, wurde wegen “mutmaßlichen Begehens einer Umweltstraftat” beschuldigt [es], “da er das Einbringen von 80 exotischen Bakterienarten in das Wasser des Titicaca genehmigt hat.”

Aber die besorgten Bürger der Region klagen nicht nur an, sie organisieren auch Proteste und nutzen die ihnen zugänglichen Medien, um ein Bewusstsein für diese Probleme zu schaffen. Im Juli dieses Jahres führte eine Umweltgruppe aus Puno eine Protestaktion [es] am Ufer des Titicaca durch, und im September letzten Jahres initiierte [es] das Kollektiv ATitiQaqa “sumáq káwsay-suma jakaña” [es] eine Menschenkette rund um den Titicaca-See, um einen neuen Guiness-Rekord aufzustellen, um bei der Weltbevölkerung ein Bewusstsein zu schaffen und um für eine effektive Gesetzgebung einzutreten, die es verbietet, kontaminierende Abfälle in den See einzubringen.

Vor einigen Tagen konnte ich mit Fanny sprechen, einer Vertreterin der Organisation “Juntos por el Titiqaqa [Gemeinsam für den Titicaca]“, die einen Marsch [es] für die ökologische Gesundung des Sees organisiert hat, folgendes sagte sie mir:

Die Zukunft der Erhaltung des Titicaca-Sees ist ungewiss, aber solange es Menschen gibt, die ein Interesse daran haben, etwas für ihn zu tun, besteht noch Hoffnung. Obwohl vielleicht, wie es der bolivianische Regisseur Roberto Calasich in seinem jüngsten Film “La Sirena del Lago [Die Seejungfrau]” zeigt, erst eine Seejungfrau aus den Wassern des Titicaca steigen muss, um anzukündigen [es], dass die Verschmutzung sie töten wird.

Originalpost veröffentlicht im privaten Blog [es] von Juan Arellano.

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