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Schweiz: Viele Grüße von den “Griechen aus der französischen Schweiz”!

Weil es diesem seltsamen mehrsprachigen und multikulturellen Land gelingt, eine nationale Identität aufrechtzuerhalten, die seine Bürger eint und auf die sie im Allgemeinen sehr stolz sind, wird die Schweiz oft als Musterbeispiel des friedlichen Zusammenlebens dargestellt. Aber das ändert nichts daran, dass sich Deutschschweizer und französischsprachige Romands gerne übereinander lustig machen.

Obwohl sich die Unterschiede zwischen den Menschen auf beiden Seiten des Röstigrabens meistens in der Politik und vor allem im Abstimmungsverhalten bemerkbar machen, geschieht es von Zeit zu Zeit auch, dass die Nachbarn zur Zielscheibe von mehr oder weniger geschmackvollen Witzen werden.

Die neueste Provokation stammt von einem Artikel der Deutschschweizer Wochenzeitung Weltwoche [fr. Übersetzung] vom 1. März 2012. Der Autor mokiert sich darin über die Romands, die er als “Griechen der Schweiz” betitelt – Nichtstuer, die dem Alkohol und gutem Essen zugeneigt sind. Auf dem Foto zum Artikel sieht man einen Angestellten mit den Füßen auf dem Schreibtisch, einem Glas Wein in der Hand und Unterwäsche, die zwischen den Aktenordnern hervorlugt.

Das Foto in der Weltwoche, das die Romands gekränkt hat – Foto der Facebookgruppe Welschwoching

Die Romands haben nicht lange mit einer Antwort gezögert. Der Genfer Politiker Antonio Hodgers hat den Ton angegeben: Wie  20min.ch [fr] berichtet, hat er sich in der gleichen Pose ablichten lassen wie auf dem Zeitungsfoto, und entgegnet den  Anschuldigungen mit dem Kommentar:

A l’adresse des Weltwocho-udécistes, nous précisons que l’évolution du PIB romand est supérieure à la moyenne suisse depuis des années, que l’Arc lémanique est l’une des régions économiques les plus dynamiques et que des cantons comme Genève et Vaud sont des contributeurs nets à la péréquation inter-cantonale. Tout cela en glandant… pas mal, non ?

An die Konservativen von der Weltwoche: Wir möchten klarstellen, dass das BIP-Wachstum der Romandie seit Jahren über dem Schweizer Durchschnitt liegt, dass der Genferseebogen eine der dynamischsten Wirtschaftsregionen des Landes ist und dass Kantone wie Genf und Waadt Nettozahler im interkantonalen Finanzausgleich sind. Und all das schaffen wir, obwohl wir nur faul herumhängen… nicht schlecht, oder?

Mehr brauchte es nicht, um einen Trend zu starten. Auf Facebook veröffentlicht die Gruppe Welschwoching [eine Wortkreation aus Welschschweiz, d.h. der französischen Schweiz, und Weltwoche, A.d.Ü.] Fotos von Romands, die die gleiche Pose einnehmen – Füße auf dem Schreibtisch und eine gut sichtbare Weinflasche – und so dem Lebensstil huldigen, dessen sie die Weltwoche anklagt. Auch auf Twitter [fr] findet man viele Kommentare und Klischees. Der aus diesem Anlass gegründete Twitteraccount @welschwoching ruft genau um 17 Uhr dazu auf, sich jetzt um die wichtigen Dinge des Lebens zu kümmern [fr]:

"Griechen der Schweiz, es ist Zeit für den Aperitif!"

 

Das T-Shirt-Druckunternehmen Graphein [fr] verkauft bereits ein eigens entworfenes T-Shirt mit der Aufschrift  Tuschur rigol, schamè travaï (Immer lachen, nie arbeiten, mit deutschem Akzent ausgesprochen).

Aber wenige Tage später haben sich die Administratoren der Facebookgruppe Welschwoching über zahlreiche Anfeindungen beklagt, und Beschwerden an Facebook wegen “Urheberrechtsverletzungen” sollen dazu geführt haben, dass manche Fotos entfernt wurden [fr]. Doch die nationale Einheit steht wohl noch nicht wirklich auf der Kippe, denn einige Deutschschweizer zeigen sich in diesem Video solidarisch mit ihren französischsprachigen Nachbarn:

 

 

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